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Programme2026-04-17T14:22:29+02:00

Manuel Bärtsch
Künstlerische Leitung

Endlichkeit/Unendlichkeit

Wandelt sich rasch auch die Welt
Wie Wolkengestalten
Alles Vollendete fällt
Heim zum Uralten

Rainer Maria Rilke, Sonette an Orpheus

Das Programm der neuen Saison nimmt eine Grundbedingung der condition humaine in den Blick: die Diskrepanz zwischen dem Wissen um die eigene Endlichkeit und der Sehnsucht nach dem Unendlichen, Unbegrenzten, weder den Zwängen der Zeit noch des Raums Unterworfenen. Dieser „Sinn und Geschmack für das Unendliche“, von dem Friedrich Schleiermacher vor mehr als 200 Jahren schrieb, kennt seinerseits kein Verfalldatum und verbindet Komponistinnen des Mittelalters mit Improvisatoren von heute. Und auch das Medium Musik als Zeitkunst scheint es zu reizen, die eigene Begrenztheit zu überwinden. Lassen Sie sich überraschen…

herzlich

Ihr

Manuel Bärtsch

Macht und Individuum

Manuel Bärtsch
Künstlerische Leitung

„Das Kunstwerk ist eine imaginäre Insel, die rings von Wirklichkeit umbrandet ist.“

José Ortega y Gasset

Musik entsteht immer in einem sozialen Gefälle – auf der einen Seite steht die Macht, die die Lebensumstände diktiert, die Auftragsgeber*innen, die Inkarnationen des Zeitgeists, die Zwänge des Broterwerbs. Auf der anderen Seite steht das Individuum, das sich zu diesen Kräften verhält, zustimmt, zweifelt, sich ihnen entzieht, sich auflehnt. Daraus entsteht grossartige Musik, sei es in Revolutionen, aus Überzeugung oder Ablehnung, als Kompromiss, Anarchie oder in kunstvoller Akzeptanz der Umstände. Der Musiksommer 2024 zeigt ganz unterschiedliche Konstellationen dieser Beziehung. Ich freue mich, diese Konzerte mit Ihnen zu erleben!

(viel zu) naheliegend sind geographische und ethnische Definitionen, aber man kann auch intellektuell oder emotional eine Heimat finden; oder aber man ist bewusst überall zuhause. Überdies entsteht Kultur – und das können wir heute besonders gut beobachten – gewöhnlich an den Schnitt- , Kollisions- und Überlappungsgrenzen dieser Heimatbegriffe.

Nach den Zeitreisen der letzten Saison reisen wir also geographisch, intellektuell, kosmopolitisch und emotional durch die bunte Welt der Musik. Natürlich spielt dabei die Schweiz eine wichtige Rolle, sowohl als musikalisch noch zu entdeckendes Land als auch als Spannungspol zu anderen musikalischen Kulturen. Dieser Weg führt uns unter Anderem über Finnland, Persien, Griechenland, Japan auch in die musikalischen Welten von Gustav Mahler und Max Reger. Es ist mein Bestreben, Sie mit jedem Konzert neben dem ästhetischen Genuss auch zu überraschen: Neu in dieser Saison sind zum Beispiel eine Konzertlesung, eine musikalisch bespielte Ausstellung mit begehbaren Skulpturen und ein Konzert im Zürcher Lindenhof, wo man auch nicht alle Tage hineinkommt. Wie sagte Perikles? Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut

herzlich

Ihr

Manuel Bärtsch

Vergangene Konzerte

5Juli 2026

Mystikerinnen

Kirche St. Peter und Paul, Ufenau
Sonntag, 5. Juli, 14.00 Uhr. Einführung 13.15 Uhr.

Werke von Hildegard von Bingen (1098-1179), Hadewjich (13. Jahrhundert) und Sofia Gubaidulina (1931-2025)

Weibliche Mystik aus dem Mittelalter: Wer Hadewjich war, ist nur noch schwer festzustellen, im Gegensatz zu Hildegard von Bingen, deren Wirken weit über die Musik hinausging. Beiden ist gemeinsam, dass sie uns einen Anhauch des Unendlichen aus unendlich ferner Zeit vermitteln. Ihr Echo finden diese Mystikerinnen im Werk der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina, deren Denken in mathematischen Proportionen sich direkt an die mittelalterliche Idee der Sphärenmusik anschliesst und doch eine zeitgenössische emotionale Dringlichkeit mit sich bringt.

Informationen

  • Eintritt 40.-

Protagonisten

  • Ensemble VocaMe

  • Gerlinde Sämann
    Maria Hauer
    Sigi Hausen
    Michael Popp
    Petra Noskaiová

  • Imke Frank
    Violoncello

  • Janne Valkeajoki
    Bajan

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21Juni 2026

All’improvviso

Schloss Au, Wädenswil
Sonntag, 21. Juni, 17.00 Uhr. Einführung 16.00.

Django Bates
Improvisationen und Eigenkompositionen

Der Grossmeister des Modern Creative Jazz Django Bates ist als Komponist und als Pianist ein Erlebnis für sich. Mit jedem Konzert, mit jeder Aufnahme
überrascht er, ob er nun mit Anouar Brahem «blue makams» erkundet, Charlie Parker Tribut zollt oder bearbeitet und verfremdet: Immer kombiniert er ein
meisterliches Handwerk mit zugleich spannenden, ästhetischen und zutiefst schrägen Ideen. Er hat sich in den letzten Jahren wieder zunehmend dem Klavier als Soloinstrument zugewandt. Was er exklusiv für uns aus dem unendlichen Meer der Möglichkeiten herausfischen wird? Wir werden sehen…

Albert und Christa Merz-Isoz, Kilchberg

Informationen

  • Eintritt: 50.- inkl. Apéro riche

  • Bitte nutzen Sie den Vorverkauf oder melden Sie sich für den Apéro riche bei Pit Marty an: pit.marty@bluewin.ch

Protagonisten

  • Django Bates
    Klavier

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13Juni 2026

…das Ende der Zeit

Kapuzinerkloster Rapperswil
Samstag, 13. Juni, 19.30 Uhr. Einführung 18.30.

Werke von Hon Ning Cheung, Luca Staffelbach, Lawson Lawall und Capucine Seuret (Kompositionsklasse von Dieter Ammann)
Oliver Messiaen (1908-1992): Sätze aus «Quatuor pour la fin du temps»

Die musikalische Zeit ist nicht die gemessene Zeit; Stunden können sich wie Minuten anfühlen und umgekehrt. Messiaens Quatuor, ein Schlüsselwerk der Moderne, verbindet dieses kompositorische Zeitspiel mit der metaphysischen Idee der Aufhebung der Zeit in der biblischen Johannes-Offenbarung. Wie die junge Generation von Komponist*innen auf dieses so moderne wie gleichzeitig aus der Zeit gefallene Werk reagiert, darf mit Spannung erwartet werden. Das junge Dissolution Ensemble setzt sich für das Verständnis und die Verbreitung von neuer Musik ein; wie sein Name besagt, ist ein fluider Umgang mit Grenzen und Konventionen ein wichtiger Teil seiner musikalischen Identität.

Informationen

  • Kollekte

Protagonisten

  • Dissolution Ensemble

  • Corinna Canzian
    Violine

  • Charlotte Lorenz
    Violoncello

  • Rebecca Blau
    Flöte

  • Anastasia Schmidlin
    Klarinette

  • Pierre Delignies
    Klavier

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6Juni 2026

∞ Infinitiy Loops ∞

Zürich, Baby Angel
Samstag, 6. Juni, 19.30 Uhr. Einführung 18.30.

Steve Reich (*1936): «Come on» (abgespielt von Vinyl)
Steve Reich: «Violin Phase» für Violine und voraufgezeichnetes Band
Sebb Bash: Carte Blanche

Ein bis zur imaginierten Ewigkeit wiederholtes Pattern erlebt allmähliche, oft zuerst kaum merkliche Modifikationen, wird überlagert, verschiebt sich: ein magisches Klangerlebnis in den frühen Werken von Steve Reich. Und ausgehend von der New Yorker Bronx eroberte sich eine afro-amerikanische Kunstform zwischen Avantgarde, Experiment und Storytelling die Welt, die ebenfalls auf die Magie von Sampling und Looping vertraut: Hip-Hop. In Zusammenarbeit mit dem Zürcher Verein guerillaclassics geht der Musiksommer unerwarteten Geistesverwandtschaften nach. Dmitry Smirnov, unser Artist in Residence 2023, spielt mit sich selbst Steve Reichs «Violin Phase», während der seit den 1990er-Jahren international gefragte und 2019 mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnete Lausanner DJ und Produzent Sebb Bash eine Carte Blanche erhält.

Informationen

  • Kollekte

Protagonisten

  • Dmitry Smirnov
    Violine

  • Sebb Bash
    Electronics, Loops

  • tracy september, Severin Kolb
    Kuration

     

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17Mai 2026

Eröffnungskonzert: Dimensionen

Schloss Rapperswil, Rittersaal
Sonntag, 17. Mai, 18.00 Uhr. Einführung 17.00.

Pacific Quartet Vienna

Werke von Anton von Webern (1883-1945), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Henry Purcell (1659-1695) und 
Anton Bruckner (1824-1896)

Das Eröffnungskonzert zeigt die unendlichen Facetten des Themas: Das einzige Kammermusikwerk des Symphonikers Anton Bruckner mit seiner wunderbar weiten, grosszügigen Zeitgestaltung findet seine Antithese in den Fünf Sätzen für Streichquartett von Anton Webern, die zwischen drei und kaum einer Minute dauern und doch jeder eine Welt beinhaltet.

Ein Contrapunkt aus Bachs «Kunst der Fuge» und eine Fantasie von Henry Purcell vermitteln zwischen diesen Extremen. Mit dem Pacific Quartet Vienna führen wir die Reihe renommierter Streichquartette beim Musiksommer fort. Dieses Ensemble verbindet Kulturen, Traditionen und geografische Räume auf höchstem Niveau.

Informationen

  • Eintritt: 30.-

Protagonisten

  • Yuta Takase, Simon Wiener

    Violinen

  • Chin-Ting Huang

    Viola

  • Sarah Weilenmann
    Violoncello

  • Alessandro d’Amico
    Viola

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